Prag ist für mich eine der wundervollsten, bezauberndsten Städte Europas und sie wird umso zauberhafter, je mehr man die eingetretenen Pfade verlässt – was du schon deshalb tun solltest, weil diese unerträglich vollgestopft mit Touristen sind. Meine wichtigste Empfehlung lautet daher: früh aufstehen und alle Sehenswürdigkeiten im Zentrum vor 9:30 Uhr abbummeln. Das hat gleich mehrere Vorteile: Erstens, man hat mehr vom Tag und je mehr vom Tag man in Prag hat, desto besser, denn diese Stadt lädt mit ihrer Architektur, ihrer Kunst, ihrer Geschichte und ihrer umwerfenden Kaffee- und Restaurant-Szene zum stundenlangen Erkunden und Treibenlassen ein. Zweitens, man erlebt die monumental wirkenden Prachtbauten Prags im Licht des Morgens, was von feenhaftem Nebel bis hin zu leuchtenden Sonnenaufgängen reichen kann, auf jeden Fall aber immer verwunschen-schön aussieht. Drittens, kann man wenn die ersten Touristenwalzen sich durch die Gassen der Altstadt zu schieben beginnen, in die Randbezirke des Zentrums ausweichen, um eine Seite von Prag zu erkunden, die sich kreativ, modern, offen, alternativ und ein bisschen hip präsentiert, dabei aber nichts von seinem deutlich durch den Stil der Jahrhundertwende geprägten Charme einbüßt.






Meine Ressource Nummer 1 für Prag ist übrigens der Blog und Foodie Guide „Taste of Prague“. Die beiden (bzw. inzwischen drei, seitdem sie ein Kind bekommen haben) bieten neben all dem Wissen, dass sie über die Stadt teilen, auch kulinarische Führungen an, die sich vermutlich lohnen. Wir hatten dafür keine Zeit, haben uns aber von ihrem Blog und insbesondere den Stadtteil-Beschreibungen inspirieren lassen und damit all die wundervollen Ecken und Restaurants auf eigene Faust erkundet.
Die schönste Reisezeit ist meines Erachtens der Frühling (Ende April/Anfang Mai), wenn überall in Prag duftender Flieder blüht und Prag mit allem aufwarten, was es an farbenprächtiger Flora zu bieten hat. Doch egal zu welcher Jahreszeit, die „Goldene Stadt“ an der Moldau mit ihren gotischen, barocken und mittelalterlichen Gebäuden und den eleganten Jugendstil-Fassaden ist immer atemberaubend schön.
Trotz der Touristen empfehle ich eine Unterkunft im Zentrum Prags (ich würde immer über airbnb oder Home Away buchen), denn von dort aus gelangt man überall schnell zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und kann im Anschluss schnell in die verschiedenen Himmelsrichtungen entfliehen.




Und hier nun zu meinen Favoriten:
Am Morgen lohnt es sich, die Karlsbrücke und die zauberhafte Mala Strana zu erkunden. Der Petřínské sady (Laurenziberg-Park) ist sehr hübsch und lädt mit der Hungermauer, dem Vrech Petřín, dem Denkmal für die Opfer des Kommunismus, einigen Kirchen und dem hübschen Strahov-Kloster zum Erkunden ein. Man kann entweder den Berg hoch spazieren oder an der Station Újezd in die Kabelbergbahn einsteigen und sich komfortabel nach oben transportieren lassen. Beides ein Erlebnis.
Von hier kann man weiter zur Nový Svět spazieren, einer zauberhaften kleinen Straße, die nicht weniger hübsch ist, als das „Goldene Gässchen“, allerdings zahlt man keinen Eintritt und trifft nur vereinzelt auf Touristen.
Statt weiter zur Prager Burg zu gehen, empfehle ich, weiter durch die Gärten Lumbeho und Královská zahrada zu spazieren und den äußeren Bogen um die Innenstadt herum weiterzulaufen.





Die Prager Burg selbst kann man auch etwas später am Abend besuchen, sie schließt ihre Tore erst 22 Uhr (Lediglich die in ihr befindlichen Museen etc. sind leider nur zu typischen Touri-Zeiten geöffnet, sie sind aber meines Erachtens auch nicht notwendig, denn Prag hat viel mehr zu bieten.), dann sind die Massen weg und man hat einen wunderbaren Blick auf diese sagenhafte Stadt. Achtung, spät hingehen gilt wirklich nur für das Schloss, andere Sehenswürdigkeiten sind abends genauso überlaufen wie tagsüber. Die Karlsbrücke beispielsweise ist nur frühmorgens einsam und verlassen – mit etwas Glück hat man dann aber auch das tollste Licht zum Fotografieren.




Läuft man auf der nördlichen Seite der Moldau weiter kommt man zum Metronom, ein beliebter Spot für Locals, der ebenfalls einen wunderbaren Blick über Prag bietet. Von dort aus kommt man zum Letná Zahradní, wo man bei schönem Wetter und einem kühlen Getränk, die Sonne und die Aussicht genießen kann.



Ebenfalls ganz zauberhaft für einen Besuch am Morgen sind der Barockgarten Vrtbovská zahrada, mit einem wundervollen Blick über die roten geziegelten Dächer der Mala Strana und das Valdštejnský palác (Palais Waldstein), wo Pfauen sich ein Stelldichein geben und man allerlei kuriose Figuren an einer künstlichen Grottenwand erspähen kann. Alternativ lohnt es sich auf der Innenstadtseite der Moldau zu bleiben und durch die Prager Altstadt mit ihren wundervollen Fassaden zu wanden, insbesondere in der Nachbarschaft des Alten Jüdischen Friedhofs. Ihn selbst würde ich hingegen nicht besuchen. Klein, überteuert und überlaufen. Dann lohnt sich eher ein Spaziergang zum Žižkov Television Tower. Der ist an sich ein Kunstwerk mit den zehn riesigen Babys, die an ihm hinaufkrabbeln. Besonders sehenswert ist aber der jüdische Friedhof im hübsch benannten Mahlerovy sady (ok, ich bin vielleicht ein bisschen voreingenommen, was die Schönheit des Namens betrifft). Romantisch, verwildert und nicht weniger atmosphärisch als der jüdische Friedhof in der Altstadt, dafür aber unendlich ruhig, weil kaum jemand sich hierher verirrt.










Apropos romantische Friedhöfe, der Vyšehrader Friedhof ist ein Muss! Hier liegen nicht nur zahlreiche tschechische Persönlichkeiten (darunter Alfons Mucha und Bedřich Smetana), er ist vor allem bildschön mit seinen romantisch-melancholischen Grabfiguren und dem vom frühen Jugendstil geprägten Mosaiktor seiner Kirche.
Von hier aus führt ein hübscher Weg hinab zur Moldau, wo ein wöchentlicher Markt zum Schlendern, Kaffeetrinken und Mohnkuchen-Futtern verführt. Überhaupt Mohn! Überall Mohn in seiner köstlichsten Form. Aber die Prager Gastronomie-Szene kann noch viel mehr. Sie ist jung, erfrischend kreativ und dennoch bodenständig lecker.





Das Eska ist ein absolutes Must-Do fürs Frühstück. Das schicke Restaurant mit eigener Bäckerei, offener Küche, verspielt-romantisch-schlichtem Design und einer beeindruckenden Kaffeeauswahl ist eine kleine kulinarische Offenbarung. Wir haben uns einmal durch die Karte gefuttert und waren von allem restlos begeistert.











Ganz in der Nähe und quasi „nur den Berg hoch“ erhebt sich das beeindruckende National Monument on Vítkov mit der, soweit ich weiß, drittgrößten Bronzestatue der Welt und einem schier grenzenlosen Panorama über Prag. Unbedingt sehenswert.

Zum entspannten Frühstücken und etwas mehr in der Innenstadt gelegen, eignet sich auch das Café Lounge. Dort servieren sie The Barn-Kaffee und haben eine köstliche Frühstückskarte. Auf jeden Fall zu empfehlen.
Das Café Savoy ist ebenfalls ein sehr beliebter Frühstücksspot. Dort waren wir „leider“ nur zum Abendessen und das lohnt sich allein schon für die unfassbar guten Böhmischen Knödel – und einen ganz fantastischen Rosé-Wein. Nicht zu vergessen: Sie haben Mini-Versionen verschiedener Tschechischer Süßigkeiten und die sind zum Verlieben gut!
Ein bisschen abseits, aber jeden einzelnen Schritt dorthin wert, ist das Zmrzlinář, wo es das mit Abstand beste Eis Prags gibt (und ja, wir haben einige ausgewählte Locations probiert). Das Sanddorn-Eis ist so fantastisch, dass wir am zweiten Tag nur dafür noch einmal die ganze Strecke gelaufen sind.
Wer es traditionell deftig liebt, aber trotzdem ein modernes und junges Ambiente nicht missen möchte ist im Lokál Hamburk genau an der richtigen Stelle. Hier wird köstliches Prager Bier zu simplen aber zur Perfektion zubereiteten traditionellen Gerichten gereicht. Übrigens, bevor man einen wundervollen Tag in Prag mit einem köstlichen Abendessen beschließt, lohnt es sich zum Sonnenuntergang auf den Pulverturm Prašná brána zu steigen. Warum er nicht von Touristen überrannt ist, ist mir ein Rätsel, denn nicht nur ist er selbst sehr hübsch, er bietet zudem einen ganz zauberhaften Blick über Prag im sanften Rot der Abenddämmerung.




Frühstück
Eska
https://goo.gl/maps/GJ1XtC9VYcL2
Café Lounge
https://goo.gl/maps/qNcbtnEtoDw
Mittag/Abendessen
Lokal Hamburk
https://goo.gl/maps/ohfghBKbNAt
Café Savoy
https://goo.gl/maps/9eHT9gaBtft
San Carlo
wenn das Bäuchlein nach Pizza verlangt: https://goo.gl/maps/VPGCZzeEQ2P2
Eis
Zmrzlinář
https://goo.gl/maps/XFg8mUNQq3H2
What To See
Am Morgen
https://goo.gl/maps/mZVSdPDVtnH2
Am Morgen für einen tollen Blick über Prag
https://goo.gl/maps/Uk61kyjL9hy
Zum Sonnenuntergang
https://goo.gl/maps/kQ9Mq7cS69D2
Wunderschöner Jugendstil Friedhof & Park und toller Blick auf die Moldau
https://goo.gl/maps/J15vsuccH362
Drittgrößte Bronzestatue der Welt oder so – und ein atemberaubender Blick über Prag
https://goo.gl/maps/9bnSnj85oL32
Letná Zahardni
https://goo.gl/maps/ef1P9oybKRB2
Toll zum Schlendern
https://goo.gl/maps/diw9nwcPJsB2
Fernsehturm mit Kunst, sehr sehenswert
https://goo.gl/maps/BPKYdcqkQGQ2 und mit einem tollen jüdischen Friedhof am Fuße (auf dem kein Touri ist – ganz im Gegenteil zu dem im Zentrum)


Das liest sich super spannend. Prag steht ab sofort auf meiner Liste.
Dankeschön fürs Teilen.
Knutschi Christian